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250 Besucher auf besonderer Krimitour | recent gig |
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War es das Thema oder die Besetzung, die am vergangenen Samstag 250 Besucher in den Nikolaussaal lockte Fakt ist jedenfalls, dass das Krimi-Spektakl "Mörderisches Bayern" eine kulturelle Veranstaltung der besonderen Art bot und vom Publikum mit großer Begeisterung aufgenommen wurde. Als einen "Film für die Ohren" stellte Schauspieler Udo Wachtveitl - bestens bekannt als BR-Tatortkommissar - "Mörderisches Bayern" dem Garchinger Publikum vor. Die Kriminalgeschichte des aus Inzell stammenden und mehrfach preisgekrönten Autors Robert Hültner sollte als ein kriminalistischer Bilderbogen aus der Region wirken. Zugleich entführten die Auszüge aus den Kriminalromanen Robert Hültners mit der Titelfigur des Inspektors Paul Kajetan in den politischen Umbruch des Bayerns um das Jahr 1920. Wachtveitls Schauspielerkollege Hans Kriss begleitete die Zuhörer mit ein- und überleitenden Worten zu den verschiedenen Schauplätzen der Buchauszüge, die Udo Wachtveitl vortrug und dabei allein durch seine Stimmenvielfalt von seinen schauspielerischen Fähigkeiten überzeugte - sei es der eher sachlich erscheinende Paul Kajetan, eine Wäscherin in der unteren Au der Landeshauptstadt München oder der sich patriotisch gebende und zugleich suspekte Baron von Bottendorf. Selbst die sozialen Unterschiede der Romanfiguren konnten an deren Jargon und Wachtveitls Wiedergabe abgelesen werden und bewegten sich zwischen derb und pseudo-aristokratisch. Wachtveitl identifizierte sich als Vortragender überzeugend mit den einzelnen Personen, deren Mentalität und deren Charakter und öffnete damit dem Publikum Tür und Tor in die unruhigen Jahre nach dem ersten Weltkrieg. Denn obwohl die Geschichte des Inspektors Kajetan zunächst nach einem "normalen" Krimi mit einem ungeklärten Mord klang, wurde den Zuhörern bald klar, dass Autor Robert Hültner mit seinem "Mörderischen Bayern" auch ein Zeitfenster öffnete. Im Hintergrund der Mordgeschichte gärte nämlich der politische Unfrieden, der auch München und das Umland radikal erfasst hatte und mit der Ermordung von Ministerpräsidenten Kurt Eisner zu revolutionären Entwicklungen führte. Und was zu Beginn der Geschichte mit einem Wohnhausbrand und einem Toten nur nach einem "normalen Mord" aussah, wandelte sich mit dem sich durch die verschiedenen Textpassagen ziehenden roten Faden bald zur Erkenntnis weitaus tieferer und politisch verwurzelter Ursachen der Tat. Was die Kriminalgeschichte jedoch einzigartig machte, war die musikalische Begleitung durch die Musik des gebürtigen Garchingers Andreas Koll, der sich über das "Heimspiel" im Nikolaussaal besonders freute. Koll und seine Musikerkollegen Sebi Tramontana an der Posaune und Erwin Rehling am Schlagzeug verliehen der Lesung den einzigartigen "Pfiff" und ihre Originalität. Eingehend auf die verschiedenen Buchauszüge entlockten sie ihren Instrumenten individuelle Tonfolgen, die nicht nur charakteristisch für den jeweiligen Szenenort waren, sondern auch Stimmungen und Gefühle erzeugten. So schilderte die Musik ländliche Idylle ebenso wie das Kampfgetümmel in den Straßen von München, Bahnhofsatmosphäre oder auch Lust und Liebe, wobei die Instrumentalisten die musikalischen Impressionen durch eindeutige Geräuschzugaben perfektionierten und dafür immer wieder spontanen Zwischenapplaus erhielten. "Mörderisches Bayern" bewies sich selbst bei seinem Abgang als eine "etwas andere" Veranstaltung. Denn anstelle einer Zugabe rührte Udo Wachtveitl einen lockeren Plausch mit dem Publikum ein, der einen humorvollen und ebenso ironischen Schlusspunkt setzte. Die Zuschauer waren sich einig, dass die Organisatoren der Veranstaltungsreihe "music - night" - an vorderster Stelle Hans Wiesmüller und Ludwig Geisler - wieder ihr Gespür für kulturelle Besonderheiten erfolgreich umsetzten und mit "Mörderisches Bayern" einen Volltreffer landen konnten. Eine Reihe von Besuchern ließ sich von Udo Wachtveitl die Kriminalromane von Robert Hültner und seiner Hauptfigur Inspektor Paul Kajetan signieren (Text / Foto: Rosmarie Anwander).
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